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Umgang mit dem Führerbunker

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Ein Parkplatz in der Gertrud-Kolmar-Str, nicht weit entfernt von dem heutigen Holocaust-Mahnmal, mitten im Zentrum Berlins. Die Sonne scheint, auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine russische Reisegruppe mit spielenden Kindern. Die Kinder sind fröhlich und tollen herum. Die Eltern unterhalten sich lautstark unter tobendem Gelächter. Der Parkplatz wird von einer Schranke abgesichert. Es ist ein Neubaugebiet.

 

Die wenigsten der Passanten werden wissen, was an diesem Ort vor fast 70 Jahren geschah. Wo sich jetzt dieser Parkplatz befindet, stand einst der Führerbunker. Eine Bunkeranlage verborgen unter einem Meter Erdschicht und vier Metern Stahlbeton. Hier verbrachte Adolf Hitler seine letzten Monate, bevor er sich seiner Verantwortung vor der Welt entzog. Der Führerbunker diente Hitler in den letzten Kriegswochen nicht nur als Residenz, sondern war auch das politische Machtzentrum in einem dem Untergang geweihten Deutschland. Als die Rote Armee sich bereits in Berlin befand, vollzog Hitler zusammen mit seiner Lebensgefährten Eva Braun, am 30. April 1945, hier im Führerbunker Selbstmord. Die beiden Leichen wurden an der Oberfläche über dem Bunker verbrannt und anschließend in einem Granattrichter beigesetzt. Vergebens versuchte die Rote Armee nach dem Kriegsende, die Bunkeranlage zu sprengen, und diese wurde daraufhin mit Erde zugeschüttet. Erst zwei Jahre vor dem Mauerfall wurde die Anlage freigelegt und wegen Wohnungsneubaus abgetragen.

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Heute ist von dem ehemaligen Führerbunker nichts mehr zu erkennen, einzig und allein eine Informationstafel direkt vor dem Parkplatz weist noch darauf hin, was einst hier geschah und welch ein historischer Ort hier vergraben liegt. Um den Führerbunker reihen sich viele Mythen, die auch durch viele Filme, teils deutsche teils ausländische, geschürt werden. Wo sich der Bunker aber genau befand, kann fast niemand mehr beantworten, geschweige denn, was wirklich wahr über ihn ist und was davon doch nur Mythen sind. Dies wird sich auch nicht ändern, solange bis an so einen geschichtsträchtigen Ort nichts weiter als eine Informationstafel steht. Aber sind wir nicht in einer Zeit des Erwachens angelangt, in einer Zeit, in der man sich seiner eigenen Geschichte bewusst wird und nicht nur mental dafür büßt, was einst Verbrecher in unserem Land anrichteten, eine Zeit, in der man Touristen und Interessierte alle Facetten unserer Geschichte aufweist und nicht diejenigen, die uns nicht gefallen, verschweigt? Andere Orte machen es vor, so wie die „Topographie des Terrors" in der Niederkirchstr. oder das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas" unmittelbar neben dem Brandenburger Tor. Allerdings wird in der Gertrud-Kolmar-Straße bis auf weiteres nur eine Informationstafel zum Führerbunker stehen und dahinter ein Parkplatz liegen.

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